Bei solchen Messen bleiben keine
Plätze leer
Balve, 24.08.2008, Von Claudia Heinemann

"Missa Parvulorum Dei" - bei dieser Gospelmesse
hieß es: Augen schließen und genießen. Für den
Hörgenuss im ersten Teil des Bluesabends in der Balver Höhle
sorgte der Gospelchor der Friedenskirche Letmathe mit dem Instrumentalensemble
der Musikschule Soest. Als die Peewee Bluesgang aufspielte, hielt es
viele der 800 angereisten Besucher nicht mehr auf den Stühlen.
Die Iserlohner Band begeisterte das Publikum mit Blues vom Feinsten.
Balve. Applaus war während der Messe nicht erwünscht,
dennoch - viele Besucher konnten ihre Begeisterung kaum drosseln, spendeten
dem Gospelchor der Friedenskirche Iserlohn-Letmathe spontan Beifall.
Durchaus nachvollziehbar, denn der "Missa Parvulorum Dei",
zu deutsch "Gottesdienst für die kleinen Kinder Gottes",
den die 90 Gospelsänger am Freitagabend mit dem Instrumentalensemble
der Musikschule Soest unter den Felswänden der Balver Höhle
feierten, zog das Publikum in seinen Bann. Oder wie eine Besucherin
formulierte: "Würden bei uns in den Kirchen solche Messen
gefeierten, die Leute passten gar nicht alle hinein."
Augen schließen und genießen war das Motto. Bedingt durch
die unterschiedlichen Stile und Epochen, derer sich Ralf Grössler
in seinen Kompositionen bediente, bot sich dem Betrachter aber auch
ein Meer wippender Füße unter den Stuhlreihen. Swing-, Blues-
und Jazzelemente bestimmten große Teile des originellen Werks,
ohne dabei jedoch auf das klassische Gospelprinzip zu verzichten.
Getragen wurde die Messe durch Solistin Anne Hartkamp, die am Freitag
ganz in ihrem Element schien. Mit Stimmgewalt und Ausdrucksfreude lieferte
sie sich mit den Gospelsängern einen Wechselgesang, der mehr als
nur einen Gänsehautmoment bot. Stets im Dialog mit den Musikern,
die unter der Leitung von Bernd-Udo Winker mal im Hintergrund, mal Ton
angebend waren und mit so manchen Soloeinlagen brillierten. Stehende
Ovationen waren am Ende der gut fünfzigminütigen Messe der
Lohn für die Sänger und Musiker, bevor die Bühne der
Peewee Bluesgang gehörte.
"Jetzt gibt's Rock 'n Roll statt Messe", kündigte Sänger
Richard Hagel an. Und ließ nicht lange darauf warten. Im Karl-Lagerfeld-Look,
die Hand lässig in der Tasche, rockte er über die Bühne.
Das war der Moment, der viele Fans im Publikum nicht mehr auf den Stühlen
hielt. Blues, Blues und noch mehr Blues folgten. Selbst die Fledermäuse
flogen munter über den Köpfen der Band umher. Ein Zustand,
der der Peewee Bluesgang nicht unbekannt sein dürfte, schließlich
begeisterten sie ihre vielen angerei-sten Fans seit Gründung im
Jahr 1977 bereits zum vierten Male in der Balver Höhle. Und wieder
gaben Drummer Martin Siehoff, Gitarrist Thomas Hesse, Saxophonist Karlos
Boes und Bassist Heribert Grothe alles, was eine gelungene Bluesnacht
braucht. Das Publikum dankte es der Iserlohner Band mit nicht enden
wollendem Beifall.
Eine innovative Mischung mit Explosionsgefahr sollte aber noch folgen,
als der Gospelchor der Friedenskirche Iserlohn-Letmathe mit den Urgesteinen
des Blues auf der Bühne standen. "Verdanken tun wir dies unserer
Solistin Anne Hartkamp, die als Songschreiberin die Stücke der
Peewee Bluesgang für unseren Chor arrangiert hat", erklärte
Dirigent Hubert Schmalor. Mit Erfolg. Sie schaffte in Stücken wie
"California" oder "Sweet blue angel" die Symbiose
aus Blues und Gospel. Ein gelungenes Finale, welches das erste Bluesfestival
nach zweijähriger Pause krönte.
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Gelungenes Experiment mit Chor und Bluesgang
/Mendener Zeitung
Festspiele Balver Höhle: Gospelchor der Friedenskirche Letmathe
und Instrumentalensemble der Musikschule Soest treffen auf Pee Wee-Bluesgang
24.08.2008 • Von Thomas Krumm
BALVE Neue Wege ging am Freitagabend ein Konzert in der Balver Höhle,
das auf modernen Gospel elektronisch verstärkte Blues- und Rock'n'Roll-Klänge
folgen ließ. Zu Gast waren der Gospelchor der Friedenskirche Letmathe,
der vom Instrumentalensemble der Musikschule Soest unterstützt
wurde, sowie die Pee Wee-Bluesgang.
Doch vor dem Auftritt der Iserlohner Musiker war die fast ausverkaufte
Höhle für die "Missa Parvulorum Dei" reserviert,
eine Gospelmesse "für die kleinen und sehr kleinen Kinder
Gottes". Sie stammt aus der Feder des Kirchenmusikers und Komponisten
Ralf Grössler, eines Spezialisten für mitreißende moderne
Kirchenmusik, die auch das Publikum in der Höhle in ihren Bann
zog. Textlich beschränkte sich Grössler auf kurze Zeilen des
Gottes- und Schöpfungslobes sowie den Text des Glaubensbekenntnisses,
den die Solistin Anne Hartkamp im Wechsel mit dem Chor sang. Neben der
fabelhaften Leistung des Chores sorgte die in klassischem und Jazz-Gesang
ausgebildete Musikerin mit ihrer mitreißenden Stimme für
einen großartigen Gesamteindruck in diesem besonderen "House
of the Lord", wie es eingangs der Messe besungen wird. Beeindruckend
war dabei auch die exzellente Begleitung durch das Instrumentalensemble
der Musikschule Soest, dessen Musiker sich allerdings nicht mit einer
übermäßig anspruchsvollen Harmonik von Grösslers
Messe zu plagen hatten. Dennoch ist seine Komposition sehr schwungvoll
und bereitete den Boden für den Auftritt der Pee Wee-Bluesgang.
Deren mitreißender Rock'n'Roll war durchaus ein Kontrastprogramm
zu den Chorklängen der Letmather Gospelsänger, auch wenn Sänger
Richard Hagel bei der Ansage eines eher ruhigen Stückes eine Brücke
zu bauen suchte: "ein Gospel in Form eines Blues". Mit cooler
Sonnenbrille und kraftvoller Stimme legte er zusammen mit Thomas Hesse
(Gitarre), Karlos Boes (Saxophon), Martin Siehoff (Schlagzeug) und Heribert
Grothe (Bass) einen tollen Auftritt hin. Die Besucher kamen bei den
schnellen Rhythmen der Band immer mehr in Schwung und das eine oder
andere Tanzbein geriet auch in Zuckungen.
Zum großen Finale trafen sich Gospelchor und Pee Wee Bluesgang
zu drei Liedern der Gang, die Anne Hartkamp für den Chor arrangiert
hatte - das I-Tüpfelchen unter einer mutigen und recht gelungenen
Begegnung in der Balver "Stadthalle".